bloggitt! Quelle: das Weblog von Birthe E. Stuijts
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Geschrieben am: 24. November 2003 - 08:51
Aus der Kategorie Kurzgeschichten
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Ein Vorstellungsgespräch - die Vorstellung eines Gesprächs

So Sie wollen also bei uns arbeiten.
Zeigen Sie doch mal Ihre Referenzen.
Gesellenbrief, Meisterbrief, Weiterbildungsmaßnahme hmhm
Erzählen Sie doch mal von sich

Naja das meiste können Sie ja dem Lebenslauf entnehmen. Ich habe eine Lehre gemacht und danach als Geselle gearbeitet und in der Abendschule den Meister gemacht. Die Prüfung habe ich vor acht Jahren abgelegt. Dann habe ich geheiratet und habe mittlerweile zwei Kinder. Und jetzt möchte ich mich beruflich neu orientieren und Sie boten einen vielseitigen Arbeitsplatz an.

Sind Sie in der Gewerkschaft?

Nein

Naja wir entscheiden später ob wir das zu Ihrem Vorteil oder Nachteil auslegen

Ach ja beinah hätte ich es vergessen. Wenn Sie bei uns arbeiten wollen, müssen Sie diese Wertlosigkeitserklärung unterschreiben.

Was ist denn das?

Ach nichts weiter. Das ist nur für den Fall, daß Sie einen für Sie finalen Arbeitsunfall erleiden. Wir sprechen intern von einem Ereignis. Sollten Sie also von einem Ereignis betroffen sein, können wir Sie schneller entsorgen und haben sehr viel weniger mit den Behörden zu tun.

(entrüsten) - Das ist doch nicht Ihr Ernst!?!

Doch doch das setzt sich mehr und mehr durch. Das spart uns teure Sicherheitsausstattung, zum Beispiel Fangseile oder teures Abschalten, falls wir Sie beispielsweise in Strommasten einsetzen wollen. Wir haben sogar eine Abteilung, die räumen Minen, ohne Sicherheitskleidung. Nur so sind wir konkurrenzfähig, und wenn mal einer beim Minenräumen draufgeht, können wir das auf der pathetischen Gefühlsschiene positiv vermarkten.

wie sieht es mit der Bezahlung aus? Haben Sie auch eine Betriebsrente?

Eine - was? Rente? Nein nein nein, schon lange nicht mehr. Schauen Sie, wir sind ein modernes Unternehmen und stellen uns den Herausforderungen der Zukunft. Im Zuge mehrerer Restrukturierungen konnten wir uns von diesem sozialen Gewäsch trennen. Wir bieten Ihnen, anders als andere, einen unbefristeten Arbeitsvertrag...

hier am Ort?

Nein nicht nur. Ich denke mal mit Ihrer Qualifikation stufen wir Sie als BMFSA ein...

?

BMFSA? Bester Mann für scheisse Arbeit. Wir unterhalten einen Pool für Leute mit Ihrem Profil, aus dem wir schöpfen, wenn wir ölverseuchte Strände säubern beispielsweise oder kleine Robben totschlagen

aber Ihre Arbeitsverträge sind unbefristet?

Ja unbefristet. Ach wissen Sie bei den BMFSA-Leuten, die die Wertlosigkeitserklärung unterschrieben haben, arbeitet die Zeit eigentlich für uns. Man könnte sagen, wir mußten das Rentengeschäft mangels Nachfrage aufgeben!

also ich habe Familie und bin Alleinverdiener

Ja da haben wir nichts gegen. Da müssen Sie selber mit klar kommen. Ein gewisses Maß an Mobilität müssen wir aber von Ihnen verlangen. Es kann also schon sein, daß wir Sie für längere Zeit ins Ausland schicken.
Wir hatten erst kürzlich einen sehr lukrativen Auftrag, Kohle schürfen in einem sowjetischen Bergwerk. Von den fünf BMFSAs, die wir schickten, sind noch drei vor Ort, und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch die verschlissen sind. Die Entsorgung wird dann direkt vor Ort vorgenommen, das spart uns Reisekosten.

Was sind Sie nur für ein skrupelloses Arschloch!

Sachte sachte bitte werden Sie nicht ausfallend. Wir leisten einen außerordentlich wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Wir bieten - mittlerweile völlig unüblich, Sie werden sich informiert haben - unbefristete Arbeitsverträge. In der Regel enden unsere Arbeitsverhältnisse mit einem Ereignis, dem für Sie finalen Arbeitsunfall, Sie erinnern sich. Wir fügen der Diskussion um die leeren Rentenkassen eine ganz neue, innovative Komponente hinzu.

Ihr bisheriger Werdegang ist ja auch sehr praxisorientiert. Wir könnten Ihnen auch eine eher theoretisch ausgerichtete Tätigkeit anbieten, als Kästchenmaler in unserer Restrukturierungsabteilung. Ohne zwei Palastrevolutionen jährlich ist man ja heute nicht mehr up to date, gelle, hahaha!! Bei diesen Mitarbeitern enden die Arbeitsverhältnisse bei unübersehbaren Anzeichen von Senilität. Wir legen Wert darauf, daß diese Mitarbeiter eine positive Einstellung zur Sterbehilfe haben, bevor wir sie in ihre letzte, in der Regel kurze, arbeitsfreie Phase entlassen...

Frei verfasst von W.Schirmer, Ghostwriter


Das habt Ihr dazu zu sagen:

Ich @ 25. November 2003 - 08:44
Ich suche noch den Sinn......

Wilfried @ 26. November 2003 - 12:14
Eine Sinn-Suche ist der völlig falsche Ansatz. Welchen Sinn hat dei Muppet-Show?

Antje @ 26. November 2003 - 18:49
Hallo Wilfried,

Ich fand die Muppet-Show immer lustig.
Über die beiden Alten in der Loge, habe ich immer herzhaft gelacht, sowie jetzt über den Ghostwriter.