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Ein Ausrutscher

Wiebke schreibt Geschichten, diesmal ein Splatter. Original zu lesen bei Fanfiction.
Ich finde das Ende von einem Splatter grausam - so soll es wohl auch sein - wobei ich die Gefühle ihrer Geschichte sehr gut nachvollziehen kann. Also habe ich es etwas modifiziert, das Ende. Wie gefällt es euch?


Ein Ausrutscher

Es ist kalt. Die herbstlich vertrockneten Blätter rascheln leise im Wind. Ansonsten ist es still. Leere schmerzende Stille nach seinen grausamen Worten.
"Zum vögeln bin ich also gut genug, aber Beziehung ist nicht drin?", breche ich dieses unerträgliche Schweigen, nur um noch einmal sicherzustellen, mich nicht verhört zu haben. Obwohl ich es genau weiß. Er spricht immer klar, so klar und deutlich, dass man ihn nicht missverstehen kann.
"Ja, es tut mir leid", entgegnet er. "Es war ein Fehler, ein Ausrutscher."

Ein Fehler.

Ich war ein Ausrutscher.

"Liebst du eine Andere?", frage ich mit belegter Stimme und balle meine Hand zur Faust. Der Schmerz hilft mir, nicht in Tränen auszubrechen.
Er atmet durch, wartet einen Moment. Quälende Stille. "Ja", antwortet er. Er scheint erleichtert. "Sie ist die jüngere Schwester von meinem Nachhilfelehrer. Ich habe..."
Weiter kommt er nicht. Meine Faust hat ihm das Wort abgeschnitten. "Fresse", sage ich und setze direkt noch einen Schlag hinterher. Er keucht überrascht auf und fällt zu Boden. Die Blätter wehen um ihn herum auseinander. Das Blut, das von seiner Lippe tropft, fällt kaum auf im rötlich gefärbten Laub.
"Was soll das?", fragt er mit zittriger Stimme. "Wir können doch Freunde bleiben!"
"Freunde." Ich spreche das Wort mit vor Verachtung triefender Stimme aus. Ich hebe ihn vom Boden auf, halte ihn am Revers dicht vor mir. Der Schwächling kann noch nicht einmal mehr stehen. "Das hättest du dir vorher überlegen sollen." Wieder schlage ich ihn zu Boden. Inzwischen hat er ein blaues Auge, blau wie die Veilchen in meinem Garten, und eine geplatzte Augenbraue.
"Du bist doch wahnsinnig", stößt er hervor, "Ich werde dich anzeigen! Pass bloß auf!" Er versucht, sich aufzurichten.
Ich reiße die Augen auf. "Anzeigen, ja?" Heftig trete ich in seine Seite, sodass er wieder auf den steinigen Boden knallt. Dann hocke ich mich neben ihn und packe ihn hart im Nacken, ziehe seinen Kopf hoch. Er blutet aus der Nase. Sein flehender Blick entgeht mir nicht, obgleich er versuchte, unbeeindruckt zu gucken.
Sein Kopf schlägt auf die Steine auf, bevor er mich irgendwie hatte verführen können. Wieder greife ich in seine dunklen Haare, ziehe seinen Kopf hoch, schlage ihn auf den Boden. "Du schläfst mit mir, obwohl du in eine andere verliebt bist!", kreische ich. Hoch, auf den Boden. "Sagst mir, wir sollen Freunde sein! Und jetzt willst du mich anzeigen?" Hoch, auf den Boden. Immer wieder. Ich verliere den Überblick über die Anzahl der Schläge, die er während meinen Worten erleiden muss. "Das ist doch die Höhe!" Ich stehe auf, trete gegen seinen nun wesentlich schlafferen Leib. "Verrat!" Ich drehe ihn auf den Rücken und stampfe mehrmals auf seinen Bauch, seine Brust und den Hals. "Du bist der, der Angezeigt werden sollte!"
Seinen Mund verlassen ungehörte Hilferufe, Schreie. Schließlich gibt er nur noch röchelnde Laute von sich, bis er unter mir still und leblos liegen bleibt.
"Hättest du mich nur geliebt." Verbittert setze ich mich neben ihn und sehe ihm in das verbleichende Gesicht. "Hättest du mich nur geliebt."
Es ist kalt. Die herbstlich vertrockneten Blätter rascheln leise im Wind. Ansonsten ist es still. Leere schmerzende Stille nach einer grausamen Tat. Worte hängen schwer in der Luft, dem Tod zum Opfer gefallen.


"Wir können doch Freunde bleiben!" wiederholt er seine Frage.
"Freunde." Ich spreche das Wort mit vor Verachtung triefender Stimme aus. „Nein, bestimmt nicht“ antworte ich kalt, drehe mich um und ging.


Über diesen Beitrag:
"Ein Ausrutscher" wurde am 01. Februar 2015 - 14:58 geschrieben und ins Netz gestellt. Es wurde seitdem 2681 Mal detailliert angeschaut. Mit 2 Kommentare hat dieser Beitrag ein Ziel-Erreichungsgrad von 0,07 Prozent. Die Erstellungsdauer dieses Textes beanspruchte 319 Sekunden, während der eine mittlere Buchstabengeschwindigkeit von 12,520 Zeichen pro Sekunde erzielt wurden. Ferner beinhaltet dieser Beitrag den Buchstaben z in 29-facher Ausfertigung. Dies entspricht einer z-Dichte von 0,73 Prozent. Dieser Beitrag ist in der Kategorie Kurzgeschichten und im Archiv von Februar 2015 abgelegt worden und kann mit http://www.bloggitt.de/gebloggitt1489.html direkt verlinkt werden.


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Und das habt Ihr dazu zu sagen:
Terence Horn @ 05. Februar 2015 - 17:34
Warum die Leute immer alles mit Gewalt regeln müssen?

Birthe @ 16. Februar 2015 - 09:41
Hi Terence, ein Splatter ist eine Geschichtsform, die extreme Gewalt beinhaltet. Ich habe die Geschichte abgewandelt (ich mag Splatter auch nicht), da die Gewalt ja die Gefühle in so einem Moment durchaus entspricht. Aber man nicht wirklich ausführt.



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