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Eine Sekunde

Zeit ist ein faszinierendes Begriff. Eine Sekunde kann ein ganzes Leben verändern. Eine Sekunde, und die weiterführende Wege ändern sich. Eine Sekunde, und die Vergangenheit, die Gegenwart oder auch die Zukunft stellen sich in ein anderes Licht.

Der heutige Morgen lief wie jede andere Morgen. Frühstücken, Kinder fertig machen, zur Kindergarten bringen. Der Weg nach Hause ging etwas zögerlicher als üblich. Vor der Tür hatte ich ein kurzes Gespräch mit einer anderen Mutter. Über die Feier von vor ein par Tage. Dann brauchte ich noch Brot und eilte zur Bäcker. Der Bäckerei ist gleichzeitig ein Cafe und alle Tische waren besetzt. Die Verkäuferin war sehr beschäftigt, die Gäste zu bewirten und belegte Croissants für denen zu machen. Eine Entschuldigung in meine Richtung, daß es noch etwas dauerte. Ich wartete und bekam zum Schluss mein Brot.

Ich lief nach Hause. Jeden Morgen den gleichen Weg. Manche Leute mögen solche Regelmässigkeiten. Ich hätte vor einige Jahren nie träumen können, daß auch ich mal dazu gehören wurde. Der Mann mit dem Hund, die verschiedenen Passanten – in einem kleinen Dorf sind die Gesichter und Auto’s einem schnell bekannt.

Dieser Morgen war anders. Vielleicht, weil ich eine Sekunde später weggekommen bin wie sonst. Ok, es war nicht nur eine Sekunde, vielleicht waren es Minuten. Fünf Minuten, die mir später auf den Ort brachten, wo ich sonst schön längst gelaufen hätte. Auf eine andere Stelle ging es vielleicht ebenso. Eine ungeplante Unterhaltung, ein par Formulare, die noch unbedingt ausgefüllt werden mussten, ein Motor, der nicht anspringen wollte. Oder gerade eben nicht, und war ER schneller als geplant unterwegs.

Ein Auto drehte sich in der Strasse und hielt neben mir an. An den Ort, wo ich sonst schon längst vorbei gekommen wäre, wäre es nicht diese fünf Minuten... Das Fenster ging runter – ein Mann wollte wissen, wo er die Bahnstrasse finden kann. Ich zeige in der Richtung und schaue dann im Auto.

Ich verliebe mich. Langsam, aber heftig. So wie ich es nur ein par Mal in meinem Leben erlebt habe. Seine braune Augen fesseln mich, ich möchte mich nicht abreissen. Ebenso starrt er mich an. Ein Funkenregen trifft mich. Gänsehaut, zusammen mit einer aufregenden Wärme, verbreitet sich über mein Körper. Ich muss mich anstrengen, aufrecht stehen zu bleiben. In meinem Bauch zwickt es wie selten zuvor.

Ein Hupen von wartende Autos rüttelt mich zurück. "Können Sie mir vielleicht hinbringen?" sagt der männlichste Stimme die ich je in meinem Leben gehört habe, und der Beifahrertür öffnete sich...

Eine Sekunde... dieser Begegnung... Mein Leben wandelt sich...


Über diesen Beitrag:
"Eine Sekunde" wurde am 21. Mai 2003 - 11:18 geschrieben und ins Netz gestellt. Es wurde seitdem 4212 Mal detailliert angeschaut. Mit 3 Kommentare hat dieser Beitrag ein Ziel-Erreichungsgrad von 0,07 Prozent. Ferner beinhaltet dieser Beitrag den Buchstaben o in 41-facher Ausfertigung. Dies entspricht einer o-Dichte von 1,55 Prozent. Dieser Beitrag ist in der Kategorie Kurzgeschichten und im Archiv von Mai 2003 abgelegt worden und kann mit http://www.bloggitt.de/gebloggitt252.html direkt verlinkt werden.


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Und das habt Ihr dazu zu sagen:
Ic @ 21. Mai 2003 - 17:43
UPS!

Kerstin (http://www.kerstin-sell.de) @ 21. Mai 2003 - 20:01
Und - wie geht es weiter?
Kerstin

Claudia (http://www.nosexinthecity.de) @ 21. Mai 2003 - 21:17
Das mit den braunen fesselnden Augen kann nur Eins bedeuten: Du hast wirklich und wahrhaftig einen Panda Bären gesehen!!!!
Die sind extrem selten, und stehen unter Artenschutz. Falls nicht, wäre da noch der Rauhhaardackel. Oder war es vielleicht doch ein Goldhamster?




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