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BrückenfestIn diesem Jahr fand am Wochenende 25. / 26. Oktober in Solingen das "Brückenfest" statt. Man gedenkt dabei der Tatsache, daß die Müngstener Eisenbahnbrücke, die Solingen mit Remscheid über das Tal der Wupper hinweg verbindet, stolze 100 Jahre und mehr alt ist. Solingen hat auch einen Hauptbahnhof, der aber eine ziemlich traurige Erscheinung ist und so finden die Festlichkeiten eben in Ohligs statt, auch wenn zwischen Ohligs und der Brücke ganz Solingen liegt.Wir hatten Gäste erwartet, denen wir das Brückenfest als Attraktion anbieten wollten. Die Gäste haben krankheitsbedingt abgesagt und wir haben uns in der zweiten Hälfte des heutigen Nachmittags auf den Weg gemacht, um nachzusehen, was wir eigentlich angeboten haben. Ich hatte auch eine gewisse Erwartungshaltung, so zum Beispiel alte Feuerwehren einem Waggon mit Modellbahn Dampflok - Fahrerstandmitfahrt Dampflok - Sonderzüge aktuelle Fahrzeuge des Unternehmens Zukunft Trödelmarkt Jubeltrubelheiterkeit verkaufsoffener Sonntag in Ohligs. Die Anfahrt dauerte etwas mehr als eine Stunde. Wir kamen in Ohligs an und mußten zunächst die Aufgabe "Wo kann man hier parken" lösen. Ich lotste dann meine Familie zielsicher durch den Bahnhof durch auf die andere Seite, wo ich eine Reihe der obigen Punkte erwartete. Wir fanden - nichts. Keine Feuerwehren, keine Fahrzeugschau, kein Waggon mit Modellbahn. Statt dessen freier Blick auf ein Stellwerk, dessen Uhr die aktuelle Uhrzeit anzeigte: kurz vor fünf. Niederschmetternd. Ich kämpfte tapfer gegen die Tränen an - und habe gewonnen. Wieder einmal rächte sich die fehlende Planung. Statt die ganze Familie das ganze Wochenende auf diese Veranstaltung zu drillen und so den Sonntag unter das Motto zu stellen WIR FAHREN FUER UNSEREN PUFFERKUESSER UND NIETENZAEHLER NACH SOLINGEN ließ ich die Zügel schleifen ja sogar zu unpassender Zeit demotivierende Unlust durchschimmern. So wurde gefrühstückt (wogegen ja auch nichts einzuwenden ist) und gegammelt und Marit zu einer Zeit in den Mittagsschlaf geschickt, wo wir schon in Ohligs hätten ankommen müssen. Aber so ist das eben, wenn man im Familienverband nicht volle Stimmgewalt hat. - Punkt fünf Uhr schnaufte eine P8 heran. ![]() Dank Internet wußten wir, daß die letzte Rundfahrt um fünf Uhr in Ohligs enden sollte. Die Pünktlichkeit war schon verblüffend. Das lag vielleicht daran, daß die dabei eingesetzte Technik so einfach war, daß eben nichts schiefgehen konnte. Keine Klimaanlage, keine Türsteuerung, kein demotiviertes Personal, statt dessen ein Zug voller leidensfähiger Pufferküsser, deren größtes Glück darin bestand, in einer dröhnenden Donnerbüchse von einer P8 durch das Bergische Land gezogen zu werden und vielleicht einmal in einer Kurve einen Blick auf die vorne arbeitende Dampflok zu erhaschen, auf die präzise arbeitende Mechanik ihrer Treibräder, das Auf und Ab der Pleuelstangen und den Qualm zu schmecken. Wir machten uns nach unserem improvisierten Steh-Picknick an der Gleiskante zurück auf den Weg zu dem Bahnsteig, an dem dieser von der P8 gezogene Sonderzug stand. Dabei fiel uns ein großes Feuerwehrauto auf, das mit Blaulicht dicht am Bahnhof stand. Beim Näherkommen sahen wir dann, daß hier weder Notfall noch Übung anstand, sondern daß die Dampflok Durst hatte. Man legte gerade einen Schlauch vom Löschfahrzeug unter den Gleisen durch zum Tender der Dampflok. Wo eine Dampflok in diesen Landen in der Öffentlichkeit faucht und raucht und die Hitze ihres Kessels spüren läßt, sammeln sich schnell Pufferküsser an um dem Objekt ihrer Begierde nahe zu sein. Wenn man aber so nah dran ist, kann man die schwarze qualmende Schönheit aber nicht mehr in ihrer Gesamtheit bestaunen, sondern nur noch Details, z.B. eine Ausgleichsmasse in den großen Speichenrädern oder einen Hebel in der Zylindersteuerung. Wir stürmten den erstbesten Bahnsteig hinauf - ich hatte Wiebke auf den Schultern und die hatte eine Banane in der Hand, deren Schale meine freie Sicht behinderte, was mich aber nicht davon abhielt, beim Tragen des Kinderwagens, in dem Marit saß, zu helfen. Oben angekommen sah ich links einen VT628 (der wohl fahrplanmäßig die Müngstener Brücke beehrt) und rechts einen ET423, der von Ohligs zum Düsseldorfer Flughafen fährt und Ohligs somit zur Weltstadt aufwertet. (Von Ohligs darf man ja schon als "Stadt" sprechen, weil es dort einen McD gibt. Direkt am Bahnhof. Wir hätten gerne da geparkt. Aber McD war heute zuerst da. Schade.) Und zwischen Bildmitte und dem ET423 hing eine Bananenschale. Ich wollte schon mit dem Schimpfen beginnen, wir hätten den falschen Bahnsteig erwischt, als mir bewußt wurde, daß dies auch ein großer Vorteil sein könnte. Alle Pufferküsser auf dieser Seite waren gezwungen, eine Art Respektabstand einzuhalten. Und so sahen wir die ganze Maschine, sahen auch, wie unten Funken aus dem Feuerkasten fielen, und eben nicht nur eine Ausgleichsmasse in einem großen Speichenrad. Oder einen Hebel der Zylindersteuerung. Oder eine Bananschale. Etwas später, der Sonderzug hatte seine Fahrgäste gewechselt und sich auf den Weg zurück ins Ruhrgebiet gemacht (die P8 fuhr dabei rückwärts am Zugende, sie schlich sich quasi ganz unspektakulär aus Ohligs davon), kam uns der Gedanke, Herrn H aus K in N an seiner derzeitigen Wirkungsstätte zu besuchen, um ein spontanes Qualitätsaudit durchzuführen. Wiebke und Marit wurde diese Version des Heimweges durch die Aussicht auf ein großes Spielgerüst schmackhaft gemacht: "Wir fahren jetzt zu Herrn H aus K nach N!" - "Ja aber du hast gesagt wir fahren zu Kidzwörld!" - "Ja da arbeitet der." - "Das geht doch nicht - da arbeitet man doch nicht!" - Wir erreichten N über die A46 und die A57. Wir fuhren am Rheinparkcenter vorbei zwischen Silos und Containern durch, als meine Beifahrerin via Mobiltelefon Kontakt mit Herrn H aus K aufnahm; sie sah, daß ich im Begriff war, wegen Orientierungslosigkeit mit überhöhter Geschwindigkeit den Tank leer zu fahren. So erhielten wir wertvolle Hinweise, die uns weitere Kilometer ersparten. - Herr H aus K betreibt eine Fritteria in einem großen Vergügungstempel in N. Er verkauft Fritten, Fritten oder Fritten, Menüs ohne Fritten kosten Aufpreis. Er schreckt aber auch nicht davor zurück, Holländern Pfannkuchen zu verkaufen - ohne Fritten. Und wer bis hierhin gelesen hat, wird wohl auch nicht davor zurückschrecken, die Fortsetzung zu lesen. Sofern es eine gibt. Auch beim Unternehmen Zukunft muß man auf Überraschungen gefaßt sein. Einstweilen gilt: Diese Geschichte endet hier.
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